Ein Casanova inmitten hipper sozio-materieller Arrangements

Casanova war ein guter Mann! Wer wollte dies leugnen, abgesehen von Dominique Strauss-Khan natürlich, der heutzutage alles Erdenkliche unternimmt, um den Hipstervielreisenden Venezianer als größten Lustmolch seit Menschengedenken abzulösen. Freilich, freilich, der französische Lüstling hat es ebenfalls faustdick hinter den Ohren. Nicht umsonst versuchte ihn die Staatsanwaltschaft mit aller Härte dingfest zu machen, damit der ehemalige Chef des IWF seine Triebe endlich unter Kontrolle bekam. Von 2008 bis 2011 soll dieser ausgerechnet in dem Edelhotel Carlton freizügige Partys gefeiert haben, was ihm die Weltöffentlichkeit ziemlich übel nahm. Und so landete er auf der Anklagebank, wo er sich lange Zeit verantworte. Wälzte er sich einst fröhlich-sabbernd in der Luxus-Suite, saß er nun brabbelnd und schluchzend vor Gericht, stand Rede und Antwort, bis ihn der Richter, wie die Tageszeitungen kürzlich meldeten, dann doch noch mit einem Freispruch wieder in sein verkorkstes Leben entließ. Weiterlesen

Workshop: Prävention, Intervention und Responsibilisierung. Zur Genealogie und kulturellen Wirksamkeit von Gegenwartsdiagnosen

Kurzmitteilung

Workshop: Prävention, Intervention und Responsibilisierung. Zur Genealogie und kulturellen Wirksamkeit von Gegenwartsdiagnosen

Der Workshop befasst sich aus geschichtswissenschaftlicher, soziologischer, kulturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive mit der „Genealogie“ (Foucault) und „kulturellen Wirksamkeit“ (Koschorke) von Gegenwartsdiagnosen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungszusammenhängen wie dem Gesundheitswesen, dem Arbeitsmarkt oder der Umweltpolitik – nimmt also Fragen auf, wie wir sie im Rahmen des WiZeGG entwickelt haben. Entsprechend begreifen wir Gegenwartsdiagnosen als performative Elemente der Praxis in dem Sinne, als sie a) die Praxis (implizit) anleiten, b) als ein auf Wandel zielender Appell fungieren oder c) selbst als (Elemente oder Entwürfe) der Praxis wirksam werden können – und so als Organon der kulturellen Selbsttransformation fassbar werden. So drückt sich etwa am menschlichen Umgang mit „Naturgefahren“ seit dem 18. Jahrhundert eine spezifische Haltung gegenüber der Zukunft aus, die man nicht mehr passiv auf sich zukommen ließ, sondern aktiv – als präventive Herstellung von Sicherheit – zu bearbeiten versuchte. Vor diesem Hintergrund formte sich seit den 1970er Jahren die gesellschaftliche Sensibilisierung für ökologische Fragen in Transformationsszenarien aus, die das menschliche Zusammenleben im Zeichen ökonomischer wie ökologischer „Nachhaltigkeit“ projektieren. In vergleichbarerer Weise etablierten sich in der Arbeitswelt und dem Gesundheitswesen Konzepte, die darauf abgestellt sind, den Einzelnen als „selbstverantwortliches“ Subjekt einer zur „Präventionsgesellschaft“ rekonfigfurierten „Risikogesellschaft“ zu konstitutieren.

In dem Workshop soll es weniger darum gehen, elaborierte Forschungsergebnisse vorzustellen, als vielmehr Forschungsansätze (insbesondere den „Mehrwert“ eines genealogischen bzw. praxeologischen Zugangs) zu diskutieren und aus der eigenen Forschungswerkstatt zu berichten. Das Format sieht einen kurzen Input z.B. auf der Grundlage eines zuvor eingereichten Textes mit anschließender Diskussion entlang der oben skizzierten Fragestellung (insbesondere hinsichtlich der performativen Dimension von Gegenwartsdiagnosen unter den Aspekten der Prävention, Intervention und Responsibilisierung) vor.

OrganisatorInnen Nikolaus Buschmann, Malte Thießen, Rea Kodalle in Kooperation mit Nicolai Hannig (Ludwig-Maximilians-Universität München),
TeilnehmerInnen Matthias Leanza (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Frieder Vogelmann (Universität Bremen), Yen Sulmowski (Leuphana Universität Lüneburg) sowie aus Oldenburg Maxi Berger, Tomke Hinrichs, Christoph Haker, Nico Lüdke, Isabel Schnieder

Termin 1. Juli 2015, ab 19 Uhr: GET TOGETHER in der Caldero Bar, Am Markt 23, 26122 Oldenburg, Telefon: 0441-36137080
2. Juli, 10 – 18 Uhr: Workshop, Raum A03 1-109

Globale Mikrogeschichte. Chancen, Grenzen, Dimensionen

Kurzmitteilung

Veranstaltungsankündigung

„Was ist und was kann Globale Mikrogeschichte?“ lautet die zentrale Frage des international besetzten Workshops, zu dem die Veranstalter die derzeit renommiertesten VertreterInnen der mikrogeschichtlichen Forschung gewinnen konnten.
Die aktuelle Globalisierungsforschung generell sowie deren methodisch-theoretische Konzeptualisierung bezieht sich nahezu ausschließlich auf das 20. und 21. Jahrhundert und interessiert sich vor allem für die weltweite Vernetzung ökonomischer Aktivitäten und Konsumverhalten.
In der Frühneuzeitforschung dagegen werden seit einigen Jahren Fragen globaler Verflechtungsprozesse im Kontext einer neuen „Weltgeschichte“ und der Problematisierung eurozentrischer Perspektiven und Wissenschaftsdiskurse diskutiert. Diese Erweiterung der Untersuchungsräume im Rahmen einer Globalgeschichte hat in jüngster Zeit allerdings Kritik ausgelöst. So merkte der Historiker David Sebouh Aslanian an: “What happens to human identity, subjectivity, agency, and the like when we supersize scale in historical analysis“? (AHR Dec 2013). Hier setzt der Workshop an und diskutiert methodische und theoretische Herausforderungen einer mikrohistorischen Perspektivierung globaler Zusammenhänge. Dabei interessieren soziale Praktiken, grenzüberschreitende soziale Interaktionen und weltweite Beziehungsnetze, kontingente Handlungs(spiel)räume und globale Kommunikationspraktiken sowie vergangenes Krisenmanagement auf Grassroots Ebene.

Gäste:
Prof. Dr. Margaret Hunt (Universität Uppsala, Schweden)
Prof. Dr. Hans Medick (Universität Göttingen, Deutschland)
Prof. Dr. István M. Szijártó (Universität Budapest, Ungarn)

Wo? Graduiertenkolleg “Selbstbildungen”, Raum A03 1-109, Universität Oldenburg
Wann? 17.06.2015 – 18.06.2015

Weitere Infos und das Programm sind unter H/SOZ/KULT verfügbar oder auf der Homepage der CvO Universität als PDF herunterzuladen.
Weitere Infos zur Abteilung Frühe Neuzeit unter: Prizepapers.

Genealogie epischer Helden

Pünktlich zur diesjährigen Berlinale ist wieder eine Serie erschienen, die es in sich hat. Better call Saul, ein Spin-off der Erfolgsserie Breaking Bad, erzählt die Geschichte des Anwalts Saul Goodman, der sich von einem lausigen Strafverteidiger zum kriminellen Rechtsverdreher mausert. Amerikanische Qualitätsserien sind schon seit geraumer Zeit in aller Munde und üben stärker denn je Attraktivität aus, der sich immer weniger Fernsehzuschauer entziehen können. Aber nicht nur diese begeistern sich für die tolle Unterhaltung aus den amerikanischen Produktionsstudios, auch das Feuilleton, ja sogar die Wissenschaft widmen sich diesem Thema mit einer gewissen Emphase. Und es vergeht kaum eine Woche, ohne dass eine neue Serie die Massen an den Bildschirm lockt. Nun also auch Better call Saul. Warum dieser Hype?

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Al Capone (Polizeifoto von 1931)

Der Grund dafür, so lautet der allgemeine Tenor, ist ihr literarischer Schreibstil. Man könnte auch sagen, Qualitätsserien repräsentieren die neue Literatur, deren Spezifikum in der Doppelkodierung und in der Fähigkeit liegt, durch komplexe Figuren- und Handlungsgestaltung den Intellekt zu beanspruchen, ohne dass die Unterhaltung dabei zu kurz kommt. Qualitätsserien erfüllen also das, was Leslie Fiedler schon vor fast fünfzig Jahren gefordert hat: cross the border, close the gap! Und welcher Gegenwartsroman kann das schon von sich behaupten? Weiterlesen

Das Potential des Kontingenz-Begriffs für die wissenschaftliche Erkenntnis – Auslotungsversuche mit offenem Ergebnis

Der Begriff der Kontingenz hat in den Kulturwissenschaften Konjunktur. Beschäftigte sich in diesem Wintersemester innerhalb der Ringvorlesung des WiZeGG bereits der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke (Konstanz) kritisch mit Postulaten steigenden Kontingenzbewusstseins in der Moderne, so ging der kulturwissenschaftlich orientierte Musikwissenschaftler Frank Hentschel (Köln) der Frage nach Sinn und Unsinn des Begriffs der Kontingenz ganz konkret für die Versprachlichung von Musikgeschichte an.IMG_3452

Auch für die Historiographie von Musik bietet der Begriff Potenzial, vor allem wenn er nicht als Beliebigkeit, sondern als auf benennbaren Voraussetzungen aufbauend, aber Alternativen mit einschließend verstanden wird. Er besticht mit der genuin in ihm angelegten Bedeutungsoffenheit. Diese Bedeutungsoffenheit bietet sich für nach eingehender Forschungsarbeit immer schwierig griffig zu beschreibende historische Sachverhalte geradezu an: Kaum ein historisches Phänomen ist bei näherem Hinsehen tatsächlich eindeutig oder monokausal begründbar, keines einseitig, keines hat wirklich alternativlos zwingende Folgen – wenn ein historischer Tatbestand gesichert ist, dann das der Kontingenz. Aber bringt das die Wissenschaft tatsächlich weiter? Weiterlesen

Was hat die neuere Musikgeschichte mit Kontingenz zu tun?

Kurzmitteilung

Was hat die neuere Musikgeschichte mit Kontingenz zu tun?

Vortrag von Prof. Dr. Frank Hentschel (Köln) am 10.02.2015, 18.15 Uhr, BIS-Saal

In dem Vortrag wird die These vertreten, dass sich seit dem späten 18. Jahrhundert Komponisten und Musikschriftsteller darum bemühten, musikalische Werke als nicht-kontingente Artefakte bzw. Musikgeschichte als nicht-kontingenten Prozess zu begreifen. Vermutlich nicht zuletzt, um die Dignität dieser akustischen Kunst als Gegenstand einer (neuen) Wissenschaft zu legitimieren und um die praktizierenden Personen in den Stand des Bildungsbürgertums zu erheben, wurden “Entkontingentierungsstrategien” entwickelt, die jenen Anspruch einlösen sollten. Der Vortrag betrachtet in diesem Sinne den Musikbegriff, die Idee der musikalischen Logik, die Idee der musikalischen Wahrheit, Entwicklungsmodelle der kompositorischen Praxis sowie den Kanonbegriff – samt und sonders Begriffe und Ideen, die erst in der “Moderne” erfunden wurden – als Entkontingentierungsstrategien.

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“:

Kurzmitteilung

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“

Perverse Gefüge. Heteronormative Ordnungen inter/medial queeren
29.-31. Januar 2015, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Medien und mediale Dispositive mit ihren Wahrnehmungskonfigurationen und Rezeptionsräumen – vom Kino über die Kunstausstellung bis hin zum Punkkonzert – spielen sowohl für die Herstellung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnungen als auch für deren Subversionen eine zentrale Rolle. Die Tagung Perverse Gefüge fragt danach, wie künstlerische und kulturelle Arbeiten es ermöglichen, die mediale Strukturiertheit von Realität zu reflektieren und damit zugleich andere Formen des Phantasierens und Imaginierens zur Diskussion zu stellen. Im Fokus stehen intermediale Effekte und die Potenziale dieser Arbeiten, heteronormative sowie rassistische und kapitalistische Ordnungen vor allem in Bezug auf Zeitlichkeit, Affekt, Kunst/Ästhetik und Kollektivität zu kritisieren und umzuarbeiten. Weiterlesen

Ernste Spiele in Dänemark – mit Foucault und Luhmann analysiert

IMG_7836Der Workshop mit Niels Akerstrom Anderson war ein intensives Arbeiten sowohl an den Begriffen, als auch an deren Anwendung. Zunächst hat Niels Akerstrom in das Material eingeführt: In Dänemark werden seit einigen Jahren Spiele – im Wortsinn – eingesetzt, um politisch zu einem gesunden Lebensstil anzuregen. Was in dem vorangegangenen Abendvortrag als Gegenwartsdiagnostik entworfen wurde, nämlich die Verwendung von Spielen als politischem Regulierungsinstrument in einer heterogenen Gegenwart, wurde auf diese Weise an einem konkreten Beispiel deutlich. Gesundheitsspiele werden über die Schulen und den Schulunterricht in den privaten Raum eingeführt. Sie bestehen etwa darin, Weiterlesen

“Wie wird Potentialisierung zum neuen Leitkonzept?”

Diese Frage stellt Niels Åkerstrøm Andersen (Copenhagen Business School)

Die moderne Gesellschaft beschreibt sich selbst als Wissensgesellschaft, Innovationsgesellschaft oder reflexive Moderne, die ihre Selbstbeobachtung zur Grundlage weiteren Operierens macht. Diese Konstellation stellt nicht nur vor theoretische Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Gegenwartsanalyse. Vielmehr sind es gerade Politik und Management, Bürger und Mitarbeiter, die unter Bedingung wachsender Komplexität und Selbstreferentialität vor der Herausforderung stehen, sich selbst neu zu erfinden. Aus der Spannung zwischen dem alten Imperativ der Steuerung und dem neuen Imperativ, Wandel und neue Möglichkeiten zu schaffen, entstehen paradoxale Anforderungen an die Möglichkeiten des Handelns in der modernen Gesellschaft. Sechs kritische Diagnosen der Gegenwart zeigen auf, wie Potentialisierung zum neuen Leitkonzept in einem widersprüchlichen Terrain wird.

Welfare management between steering and potentialisation. Six diagnostics of the present

Kurzmitteilung

Welfare management between steering and potentialisation. Six diagnostics of the present

Vortrag von Prof. Dr. Niels Åkerstrøm Andersen, Department of Management Politics and Philosophy/Copenhagen Business School (CBS), 27.01.2015, 18-20 Uhr, BIS-Saal

This presentation is about public organisations and welfare institutions and the transformation of their conditions of management. Growing complexity and reaction to growing complexity have over time created rather tricky managerial conditions. Many managers and welfare professionals experience themselves trapped in strange paradoxes. Today, managers have to handled paradoxical questions such as “How to manage through the message ”Do as I tell you to. Be autonomous!”?”,  “How to make change with reference to the unknown?”, “How to encourage institutions to “think out of the box” and constantly reinvent themselves?”, “How to manage institution that has to connect many functions and professional perspectives under the condition of full flexibility?”, “How to get citizens to recognize themselves as active, responsible, fellow citizens? And as a partner of the state?”, and “How to create the employee, who is creating himself in the image of the organisation?” Weiterlesen