Was hat die neuere Musikgeschichte mit Kontingenz zu tun?

Kurzmitteilung

Was hat die neuere Musikgeschichte mit Kontingenz zu tun?

Vortrag von Prof. Dr. Frank Hentschel (Köln) am 10.02.2015, 18.15 Uhr, BIS-Saal

In dem Vortrag wird die These vertreten, dass sich seit dem späten 18. Jahrhundert Komponisten und Musikschriftsteller darum bemühten, musikalische Werke als nicht-kontingente Artefakte bzw. Musikgeschichte als nicht-kontingenten Prozess zu begreifen. Vermutlich nicht zuletzt, um die Dignität dieser akustischen Kunst als Gegenstand einer (neuen) Wissenschaft zu legitimieren und um die praktizierenden Personen in den Stand des Bildungsbürgertums zu erheben, wurden “Entkontingentierungsstrategien” entwickelt, die jenen Anspruch einlösen sollten. Der Vortrag betrachtet in diesem Sinne den Musikbegriff, die Idee der musikalischen Logik, die Idee der musikalischen Wahrheit, Entwicklungsmodelle der kompositorischen Praxis sowie den Kanonbegriff – samt und sonders Begriffe und Ideen, die erst in der “Moderne” erfunden wurden – als Entkontingentierungsstrategien.

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“:

Kurzmitteilung

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“

Perverse Gefüge. Heteronormative Ordnungen inter/medial queeren
29.-31. Januar 2015, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Medien und mediale Dispositive mit ihren Wahrnehmungskonfigurationen und Rezeptionsräumen – vom Kino über die Kunstausstellung bis hin zum Punkkonzert – spielen sowohl für die Herstellung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnungen als auch für deren Subversionen eine zentrale Rolle. Die Tagung Perverse Gefüge fragt danach, wie künstlerische und kulturelle Arbeiten es ermöglichen, die mediale Strukturiertheit von Realität zu reflektieren und damit zugleich andere Formen des Phantasierens und Imaginierens zur Diskussion zu stellen. Im Fokus stehen intermediale Effekte und die Potenziale dieser Arbeiten, heteronormative sowie rassistische und kapitalistische Ordnungen vor allem in Bezug auf Zeitlichkeit, Affekt, Kunst/Ästhetik und Kollektivität zu kritisieren und umzuarbeiten. Weiterlesen

Ernste Spiele in Dänemark – mit Foucault und Luhmann analysiert

IMG_7836Der Workshop mit Niels Akerstrom Anderson war ein intensives Arbeiten sowohl an den Begriffen, als auch an deren Anwendung. Zunächst hat Niels Akerstrom in das Material eingeführt: In Dänemark werden seit einigen Jahren Spiele – im Wortsinn – eingesetzt, um politisch zu einem gesunden Lebensstil anzuregen. Was in dem vorangegangenen Abendvortrag als Gegenwartsdiagnostik entworfen wurde, nämlich die Verwendung von Spielen als politischem Regulierungsinstrument in einer heterogenen Gegenwart, wurde auf diese Weise an einem konkreten Beispiel deutlich. Gesundheitsspiele werden über die Schulen und den Schulunterricht in den privaten Raum eingeführt. Sie bestehen etwa darin, Weiterlesen

“Wie wird Potentialisierung zum neuen Leitkonzept?”

Diese Frage stellt Niels Åkerstrøm Andersen (Copenhagen Business School)

Die moderne Gesellschaft beschreibt sich selbst als Wissensgesellschaft, Innovationsgesellschaft oder reflexive Moderne, die ihre Selbstbeobachtung zur Grundlage weiteren Operierens macht. Diese Konstellation stellt nicht nur vor theoretische Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Gegenwartsanalyse. Vielmehr sind es gerade Politik und Management, Bürger und Mitarbeiter, die unter Bedingung wachsender Komplexität und Selbstreferentialität vor der Herausforderung stehen, sich selbst neu zu erfinden. Aus der Spannung zwischen dem alten Imperativ der Steuerung und dem neuen Imperativ, Wandel und neue Möglichkeiten zu schaffen, entstehen paradoxale Anforderungen an die Möglichkeiten des Handelns in der modernen Gesellschaft. Sechs kritische Diagnosen der Gegenwart zeigen auf, wie Potentialisierung zum neuen Leitkonzept in einem widersprüchlichen Terrain wird.

Welfare management between steering and potentialisation. Six diagnostics of the present

Kurzmitteilung

Welfare management between steering and potentialisation. Six diagnostics of the present

Vortrag von Prof. Dr. Niels Åkerstrøm Andersen, Department of Management Politics and Philosophy/Copenhagen Business School (CBS), 27.01.2015, 18-20 Uhr, BIS-Saal

This presentation is about public organisations and welfare institutions and the transformation of their conditions of management. Growing complexity and reaction to growing complexity have over time created rather tricky managerial conditions. Many managers and welfare professionals experience themselves trapped in strange paradoxes. Today, managers have to handled paradoxical questions such as “How to manage through the message ”Do as I tell you to. Be autonomous!”?”,  “How to make change with reference to the unknown?”, “How to encourage institutions to “think out of the box” and constantly reinvent themselves?”, “How to manage institution that has to connect many functions and professional perspectives under the condition of full flexibility?”, “How to get citizens to recognize themselves as active, responsible, fellow citizens? And as a partner of the state?”, and “How to create the employee, who is creating himself in the image of the organisation?” Weiterlesen

Albrecht Koschorke, Hegel und wir

IMG_2811_Koschorke_WorkshopIm Workshop mit Albrecht Koschorke, Literaturwissenschaftler und Leibniz-Preisträger, war der Zusammenhang von Narrativen und Moderne-Konzepten das zentrale Thema. Anhand eines bisher unveröffentlichten Textes zu Hegels Geschichtsphilosophie diskutierten Mitglieder des Wizegg mit Albrecht Koschorke über Erzählformen, die nicht nur Hegels Entwurf der Geschichte bestimmen, sondern auch etwa als Fortschritts- oder Entwicklungsnarrativ die Selbstbeschreibung der westeuropäischen Moderne dominieren. Weiterlesen

Über das Bloggen. Zwischen dem Soziologisieren der „kleinen Leute“ (de Certeau) und dem „Theaterblick“ (Bourdieu) der Großen Erzählungen

Schon bevor ich mich ans Schreiben meines ersten Blog-Eintrags machte, hatte sich mir eine zuvor eher abstrakte Einsicht als konkrete Erfahrung aufgedrängt: Das Format des Blogs nötigt Aktualität ab. Wie ließe sich in diesen Tagen ein Blog zur Genealogie der Gegenwart starten, ohne auf die schändlichen, die verstörenden Attentate von Paris einzugehen? Ihre Tragweite lässt sich kaum ermessen. Es ist häufig zu hören und zu lesen, dass sie sich als ein ähnlich einschneidendes Ereignis erweisen werden wie die Anschläge von 9/11. Jetzt wisse auch Europa um seine Verletzbarkeit. Das mag sein. Angesichts vergangener Terroranschläge etwa in Madrid im März 2004 oder in London im Juni 2005 fordert diese Einschätzung aber auch die Frage nach Aufmerksamkeitskonjunkturen heraus. Weiterlesen

“Selbsterzählungen der Moderne”, Vortrag des Leibnitz-Preisträgers A. Koschorke

Kurzmitteilung

“Selbsterzählungen der Moderne” (13.01.2015, 18.15 Uhr, BIS-Saal)

Vortrag des Leibnitz-Preisträgers Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Konstanz)

Man übertreibt nur wenig, wenn man sagt, dass Genealogien das Gegenteil von dem tun, was sie zu tun behaupten. Ihrem Anspruch nach verankern sie die Gegenwart in der Tiefe einer Vergangenheit, die unbestreitbar und unvordenklich sein soll. Faktisch aber werden Genea­logien von der jeweiligen Jetztzeit her konstruiert, so dass die Vergangenheit, nicht die Gegen­wart als abhängige Variable zu gelten hat. In diesem Sinn hat sich auch die Moderne mit genealogischen Selbsterzählungen versehen. Sie porträtiert sich darin wahlweise als eine Epoche, die von ihren Ursprüngen wegstrebt und mit ihnen bricht, oder als eine ursprungs­vergessene, des Ursprünglichen verlustig gegangene Phase der Menschheitsentwicklung. Die letztere, pessimistischere Version ist durch Begriffe der Krise, der Entzauberung und – neuerdings – der Kontingenz gekennzeichnet. Anders als Genealogien dies gemeinhin tun, scheint sie weniger auf Geltungssicherung als auf die Delegitimation der eigenen Zeit ab­zuzielen. Weiterlesen

“Wer nicht die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.”

Zitat

Interview M. Thiessen… fasst der Mediziner Prof. Kohse die aktuelle Situation im Kampf gegen Seuchen zusammen. Aus kulturhistorischer Perspektive interssiert das WiZeGG-Mitglied Jun.-Prof. Dr. Malte Thießen vor allem wann und unter welchen Bedingungen sich überhaupt Aufmerksamkeitsfenster für Seuchen öffnen. Weiterlesen