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Über diesen Blog.

Hier schreiben Wissenschaftler*innen der Universität Oldenburg und Gastautor*innen darüber, wie sich Gesellschaften selbst wahrnehmen und thematisieren, sich ihrer jeweiligen Gegenwart vergewissern und dabei in die Zukunft entwerfen.

Wie stehen diese Selbstwahrnehmungen und -entwürfe mit Institutionen, Medien und Techniken zur Gestaltung von Natur, Gesellschaft und Subjektivität in Verbindung? Wie modellieren sie den lebensweltlichen Alltag und halten Menschen zu einem bestimmten Verhalten an? Wie werden diese Interventionen in das Gegebene begründet und legitimiert, aber auch kritisiert, verworfen oder unterlaufen?

Diesen Fragen, deren interdisziplinäre Reflexion eines der zentralen Anliegen des Wissenschaftlichen Zentrums „Genealogie der Gegenwart“ ist, gehen die Blogger aus unterschiedlichen Fachperspektiven und Tätigkeitszusammenhängen mit Blick auf kontrovers verhandelte Themen wie Migration, Ungleichheit, Digitalisierung, Kriminalität, Gesundheit und Ökologie nach.

10.11.2016
Freier Beitrag

Trump und die „Bewegung“

von Prof. Dr. Thomas Alkemeyer

Sich als „Bewegung“ inszenierende politische Strömungen sehen sich, sobald sie Staat geworden sind, mit dem Problem konfrontiert, die Dynamik, die sie freigesetzt haben, wieder einhegen zu müssen. Ansonsten droht den ehemaligen „Führern“ der Bewegung und ihrem Apparat die Gefahr, nun selbst von dieser Dynamik mitgerissen und weggespült zu werden. Hitler und die NSDAP beispielsweise hatten dieses Problem zu ‚managen’. Der Röhm-Putsch von 1934, die Abkehr vom völkischen Thingspiel hin zu traditionellen Form des Theaters oder auch die Durchsetzung einem monumentalen, staatstragen Klassizismus in der öffentlich-repräsentativen Szenerie des „Dritten Reiches“ waren Ausdruck und Vollzugsformen dieses Managements. Mit dem Ende der Zeit der Bewegung und des Aufbaus stand nicht mehr die Mobilisierung der Massen auf dem Plan, sondern ihre Integration und Ruhigstellung. Man kann diesen Stimmungswechsel bis ins Detail der Performanzen Hitlers hinein beobachten: Als Verkörperung der „Bewegung“ agiert er in der Pose des gegen die Väter Weimars – das Establishment – rebellierenden Sohnes; er schreit und pöbelt mit sich überschlagender Stimme pubertär, reckt den Oberkörper angriffslustig nach vorn, gestikuliert bedrohlich. Wenig später, als Staatsoberhaupt, gibt er den Vater: die Stimme wird ruhiger, das Verhalten gesetzter, die Haltung statischer. Wer die Rede Trumps nach seiner Wahl beobachtet hat, konnte Ähnliches beobachten: Gerade noch ungezogen pöbelnder Tabubrecher, führt er nun das väterliche Staatsoberhaupt auf – ruhig, einladend, mit wohl dosierten Lippenbewegungen statt aufgerissenem Mundwerk. Ein amerikanischer Arturo Ui.

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