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Über diesen Blog.

Hier schreiben Wissenschaftler*innen der Universität Oldenburg und Gastautor*innen darüber, wie sich Gesellschaften selbst wahrnehmen und thematisieren, sich ihrer jeweiligen Gegenwart vergewissern und dabei in die Zukunft entwerfen.

Wie stehen diese Selbstwahrnehmungen und -entwürfe mit Institutionen, Medien und Techniken zur Gestaltung von Natur, Gesellschaft und Subjektivität in Verbindung? Wie modellieren sie den lebensweltlichen Alltag und halten Menschen zu einem bestimmten Verhalten an? Wie werden diese Interventionen in das Gegebene begründet und legitimiert, aber auch kritisiert, verworfen oder unterlaufen?

Diesen Fragen, deren interdisziplinäre Reflexion eines der zentralen Anliegen des Wissenschaftlichen Zentrums „Genealogie der Gegenwart“ ist, gehen die Blogger aus unterschiedlichen Fachperspektiven und Tätigkeitszusammenhängen mit Blick auf kontrovers verhandelte Themen wie Migration, Ungleichheit, Digitalisierung, Kriminalität, Gesundheit und Ökologie nach.

22.01.2015
Archiv

Ernste Spiele in Dänemark

von Prof. Dr. Anna Henkel

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Ernste Spiele in Dänemark – mit Foucault und Luhmann analysiert
Der Workshop mit Niels Akerstrom Anderson war ein intensives Arbeiten sowohl an den Begriffen, als auch an deren Anwendung. Zunächst hat Niels Akerstrom in das Material eingeführt: In Dänemark werden seit einigen Jahren Spiele – im Wortsinn – eingesetzt, um politisch zu einem gesunden Lebensstil anzuregen. Was in dem vorangegangenen Abendvortrag als Gegenwartsdiagnostik entworfen wurde, nämlich die Verwendung von Spielen als politischem Regulierungsinstrument in einer heterogenen Gegenwart, wurde auf diese Weise an einem konkreten Beispiel deutlich. Gesundheitsspiele werden über die Schulen und den Schulunterricht in den privaten Raum eingeführt. Sie bestehen etwa darin, dass man als Familie einen “Vertrag” schließt, täglich Obst zu essen und dies durch das Aufkleben eines Stickers auf einen Wochenplan in der Küche pro verzehrtem Stück Obst bildlich aufzeigt. Das Besondere an diesen Spielen ist, dass sie zwischen “Spiel” und “Anordnung” oszillieren: Wer zu solchen Spielen auffordert, kann sich immer darauf zurückziehen, dass es sich nur um ein Spiel handelt – oder es eben nicht nur ein Spiel ist, sondern der Gesundheit dient.
Ausgehend von diesem Fall wurde vor allem die Methodologie als Verbindung zwischen einer Genealogie der Gegenwart und empirischem Material diskutiert. Akerstrom setzte sich dabei für eine systemtheoretisch inspirierte Genealogie im Stil Foucaults ein. Prämisse ist dabei, dass ein im weitesten Sinne institutionell-semantischer Rahmen ein Set von konkreten Praktiken (zu dem auch Architektur, etc. gehört) auf bestimmte Weise beeinflusst, die Anwendung dieses Rahmens aber auf diesen auch wieder zurückwirkt. Es wurde diskutiert, inwieweit eine Mikroperspektive des Widerstands in diesem Kontext relevant ist und welche Bedeutung ein Konzept der Semantik hat.

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Abschließend wurde diskutiert, wie ein derartiges Konzept für eine interdiszplinäre Arbeitsgruppe fruchtbar gemacht werden kann. Akerstrom berichtete von seinem Department for Management, Politics and Philosophy, dass die Zusammenarbeit vor allem dadurch fruchtbar ist, dass man zwar unterschiedliche Themen behandelt (also etwa Management, Gesundheitspolitik, Schulpolitik oder Bildung), diese aber auf die gemeinsame Fragestellung nach dem Verhältnis von Politik und Management bezogen ist.

Ich habe diesen Workshop als intensive und bereichernde Diskussion erlebt – aus dem sich hoffentlich Perspektiven für eine Tagung zum Thema Genealogie in Kopenhagen ergeben werden!

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