Kurzmitteilung

Bilder des Unheils. Zum Umgang mit Naturgefahren seit 1800

Vortrag von Dr. Nicolai Hannig, 02.12.2014, 18-20 Uhr, BIS-Saal

Naturgefahren und Risiken sind ein fester Bestandteil der gesamten Menschheitsgeschichte. Der Schutz vor diesen Extremsituationen, deren Bewältigung, aber auch Überwältigung gehören seit jeher zu den Bedingungen gesellschaftlicher Entwicklungen. Im Zulauf auf die Gegenwart vermag der Mensch jedoch immer weniger selbst für seinen Schutz zu sorgen, sondern überantwortet dies entsprechenden Einrichtungen. Der menschliche Wunsch nach Vorsorge veränderte sich und mit ihm die Ansprüche an staatliche Maßnahmen und Garantien. Gleichsam richtete sich die gesellschaftliche und individuelle Beziehung zur Natur neu aus: Neue Formen der Bewirtschaftung von Ängsten entstanden, die sich in immer neuen technischen Vorkehrungen, Schutzkommissionen, Versicherungsprodukten und Notfallreserven niederschlugen. Weiterlesen

Die Theorie als gewaltfreier Raum?

Die soziologische Theorie ist ein Paradies – ein gewaltfreier Raum, in dem rationale Akteure unterwegs sind oder Leute, die in Alltagspraktiken engagiert sind oder oder… Aber Gewalt wird vom Personal, das die soziologischen Theorien bevölkert, eigentlich nicht angewendet. Gegen diesen “methodologischen Pazifismus” der Sozialtheorie wendete sich Teresa Koloma Beck in ihrem Workshop: “Jenseits des methodologischen Pazifismus. Zum Gewaltverhältnis der Gesellschaftswissenschaften”. Der methodologische Pazifismus führt dazu, dass Gewalt dasjenige ist, was woanders von anderen ausgeübt wird. Gewalt ist etwas für die Unterschichten und die Kriminellen, für politisch rückständige und religiöse Fanatiker. Aber wie kann man Gewalt denken, ohne gleich an die ganz anderen oder ganz katastrophale Zustände zu denken? Hier hat der Workshop neue Perspektiven vorgestellt, die engagiert, wenn auch weitgehend gewaltfrei, diskutiert wurden.

Herzlich willkommen im Wissenschaftsblog des WiZeGG

Hervorgehoben

In dem Blog der fakultätsübergreifenden Forschungseinrichtung der Uni Oldenburg berichten SoziologInnen, HistorikerInnen, GermanistInnen, PhilosophInnen, Musik-, Kunst- und KulturwissenschaftlerInnen über Themen, die sie aktuell beschäftigen. Im Zentrum des gemeinsamen Interesses steht eine Genealogie der Gegenwart, die beispielsweise über Kolloquien, Gastvorträge, Workshops und Publikationen ausgearbeitet wird.

Vortrag von Dr. Teresa Koloma Beck: Paradoxien des Pazifismus

Kurzmitteilung

Paradoxien des Pazifismus. Gewalt und Gewaltverbote in der Weltgesellschaft

Vortrag von Dr. Teresa Koloma Beck, 18.11.2014, 18-20 Uhr, BIS-Saal

Gewaltlosigkeit gilt als Distinktionsmerkmal moderner aufgeklärter Gesellschaften. Diese Idee formuliert sich in der politischen Philosophie des 17./18. Jahrhunderts und gewinnt ab dem späten 19. Jahrhundert auch in der Praxis der Politik an Bedeutung. Inzwischen ist das Prinzip der Gewaltlosigkeit zu einer universale Gültigkeit beanspruchenden Norm geworden. Offensichtlich jedoch hat die Institutionalisierung dieser Norm die Anwendung physischer Zwangsmittel in Konflikten nicht zum Verschwinden gebracht. Allerdings hat sie die Bedingungen der Entstehung und Reproduktion von Gewaltkonflikten verändert. Denn die universalistische Norm der Gewaltlosigkeit macht die Gewalt selbst zu Skandal und führt dazu, dass Konflikte, in denen Gewalt beobachtet wird, in besonderer Weise die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregen. Der Vortrag rekonstruiert diese Dynamiken in theoretischer und empirischer Perspektive und diskutiert deren bisweilen paradoxen Effekte.

Dr. Teresa Koloma Beck ist Leiterin der Nachwuchsgruppe “Urbane Gewalträume” am Centre Marc Bloch an der Humboldt Universität zu Berlin.