Wie wir unsere Gegenwart beschreiben und was das auslöst

Kurzmitteilung

Workshop: Wie wir unsere Gegenwart beschreiben und was das auslöst

Interessierte können sich für Workshop anmelden

Oldenburg. Einwanderungsgesellschaft, Technikgesellschaft, Kreativgesellschaft, Risikogesellschaft und viele mehr – je nach Blickwinkel lässt sich die Gegenwart mit ganz unterschiedlichen Begriffen bezeichnen. Der Frage, welche Beschreibungsversuche es gibt und wie diese wiederum unsere Wahrnehmung und Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit beeinflussen, widmet sich ein Workshop der Universität Oldenburg vom 8. bis 10. Oktober.
Zwölf hochkarätige ReferentInnen aus Natur-, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sind bei dem Workshop „Gegenwartsdiagnosen – Modellierungen der Gesellschaft in interdisziplinärer Perspektive“ im Schlauen Haus (Schlossplatz 16) zu Gast. Dazu zählen unter anderem die Oldenburger Politologin und Philosophin Prof. Dr. em. Antonia Grunenberg, der Soziologe Prof. Dr. Frank Hillebrand (Fernuniversität Hagen), Erziehungswissenschaftlerin Prof. i. R. Dr. Käte Meyer-Drawe (Universität Bochum), der Hildesheimer Philosoph Prof. i. R. Dr. Tilman Borsche und Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin. Das Ziel der OrganisatorInnen vom Wissenschaftlichen Zentrum Genealogie der Gegenwart (WiZeGG): Im interdisziplinären Austausch sollen innovative Fragestellungen und Forschungsansätze erörtert werden, um sich diesem bisher kaum oder nur von einzelnen Disziplinen bearbeitetem Forschungsfeld zu nähern. Für den dreitägigen Workshop können sich Interessierte unter wizegg@uni-oldenburg.de anmelden.
Das WiZeGG der Universität Oldenburg wurde im Sommer 2013 unter Federführung von Prof. Dr. Thomas Alkemeyer gegründet. Seine Mitglieder aus Human- und Gesellschaftswissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Bildungs- und Sozialwissenschaften analysieren interdisziplinär die kulturellen Formen gesellschaftlicher Selbstproblematisierung.

Kontakt: Rea Kodalle, WiZeGG, Tel.: 0441/798-4849, E-Mail: wizegg@uni-oldenburg.de

 Link zur Pressemeldung auf uni-oldenburg.de

„Gegenwartsdiagnosen. Modellierungen der Gesellschaft in interdisziplinärer Perspektive”

Kurzmitteilung

Workshop an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 8.–10. Oktober 2015

Unter den Schlagworten der „Kontrollgesellschaft“, der „Normalisierungsgesellschaft“, der „Kreativgesellschaft“ oder der „Kontingenzgesellschaft“ – um nur einige zu nennen – ringen derzeit eine Fülle von Gegenwartsdiagnosen um Deutungsmacht in der Aufmerksamkeitsarena der „reflexiven Moderne“ (Beck), die wiederum selbst eine solche Diagnose darstellt. Indem Gegenwartsdiagnosen paradigmatische Aussagen über die Wirklichkeit treffen, geben sie diese nicht nur als Wirklichkeit, sondern auch als eine bestimmte Wirklichkeit zu erkennen. Beglaubigt durch die wissenschaftliche Autorität, mit der sie aufgeladen sind, prägen sie als symbolische Repräsentationen des „gesellschaftlich Imaginären“ (Castoriadis) die soziale Praxis immer schon mit. Weiterlesen

„Schuld in der Geschichte. Die ‚Funktion‘ von Verzeihung im Spannungsfeld von Erinnern, Verdrängen, Vergessen”

Kurzmitteilung

Workshop mit Prof. em. Dr. Klaus-Michael Kodalle

„Schuld in der Geschichte. Die ‚Funktion‘ von Verzeihung im Spannungsfeld von Erinnern, Verdrängen, Vergessen”

Seit der Antike wird über das Verzeihen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten nachgedacht. Das Christentum hat kein Deutungsmonopol, wenngleich es anfänglich kräftige Akzente setzte. In der neuzeitlichen Philosophie haben sich Hegel und Kierkegaard in prägender Weise dem Verzeihen gewidmet und dabei auch die Untiefen des Verzeihungsverständnisses nicht vernachlässigt. Das Profil des Begriffs ist im Spannungsfeld von Moral und Recht zu erörtern. Gibt es das Unverzeihliche? Hat das Verzeihen ‚seine‘ Zeit? Gerade im Bann der Staatsverbrechen und ihrer ‚Bewältigung‘ im 20. / 21. Jahrhundert bricht auch die Frage auf: Lässt sich die kollektive Festlegung auf ‚Aussöhnung‘ oder ‚unverzeihliche Schuld‘ mit der individuellen Perspektive des Opfers / des Überlebenden harmonisieren? Wer hat hier ‚Recht‘? Kann es darauf eine allgemeinverbindliche Antwort geben? Diskussionsgrundlage bildet Klaus-Michael Kodalles Verzeihung denken. Die verkannte Grundlage humaner Verhältnisse (2013).

Datum: 14.07.2015
Zeit: 10-16 Uhr
Ort: A03 1-109

Ihre Anmeldung richten Sie bitte an Bianca Pick unter folgender E-Mail-Adresse: bianca.pick@uni-oldenburg.de

Workshop: Prävention, Intervention und Responsibilisierung. Zur Genealogie und kulturellen Wirksamkeit von Gegenwartsdiagnosen

Kurzmitteilung

Workshop: Prävention, Intervention und Responsibilisierung. Zur Genealogie und kulturellen Wirksamkeit von Gegenwartsdiagnosen

Der Workshop befasst sich aus geschichtswissenschaftlicher, soziologischer, kulturwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive mit der „Genealogie“ (Foucault) und „kulturellen Wirksamkeit“ (Koschorke) von Gegenwartsdiagnosen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungszusammenhängen wie dem Gesundheitswesen, dem Arbeitsmarkt oder der Umweltpolitik – nimmt also Fragen auf, wie wir sie im Rahmen des WiZeGG entwickelt haben. Entsprechend begreifen wir Gegenwartsdiagnosen als performative Elemente der Praxis in dem Sinne, als sie a) die Praxis (implizit) anleiten, b) als ein auf Wandel zielender Appell fungieren oder c) selbst als (Elemente oder Entwürfe) der Praxis wirksam werden können – und so als Organon der kulturellen Selbsttransformation fassbar werden. So drückt sich etwa am menschlichen Umgang mit „Naturgefahren“ seit dem 18. Jahrhundert eine spezifische Haltung gegenüber der Zukunft aus, die man nicht mehr passiv auf sich zukommen ließ, sondern aktiv – als präventive Herstellung von Sicherheit – zu bearbeiten versuchte. Vor diesem Hintergrund formte sich seit den 1970er Jahren die gesellschaftliche Sensibilisierung für ökologische Fragen in Transformationsszenarien aus, die das menschliche Zusammenleben im Zeichen ökonomischer wie ökologischer „Nachhaltigkeit“ projektieren. In vergleichbarerer Weise etablierten sich in der Arbeitswelt und dem Gesundheitswesen Konzepte, die darauf abgestellt sind, den Einzelnen als „selbstverantwortliches“ Subjekt einer zur „Präventionsgesellschaft“ rekonfigfurierten „Risikogesellschaft“ zu konstitutieren.

In dem Workshop soll es weniger darum gehen, elaborierte Forschungsergebnisse vorzustellen, als vielmehr Forschungsansätze (insbesondere den „Mehrwert“ eines genealogischen bzw. praxeologischen Zugangs) zu diskutieren und aus der eigenen Forschungswerkstatt zu berichten. Das Format sieht einen kurzen Input z.B. auf der Grundlage eines zuvor eingereichten Textes mit anschließender Diskussion entlang der oben skizzierten Fragestellung (insbesondere hinsichtlich der performativen Dimension von Gegenwartsdiagnosen unter den Aspekten der Prävention, Intervention und Responsibilisierung) vor.

OrganisatorInnen Nikolaus Buschmann, Malte Thießen, Rea Kodalle in Kooperation mit Nicolai Hannig (Ludwig-Maximilians-Universität München),
TeilnehmerInnen Matthias Leanza (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Frieder Vogelmann (Universität Bremen), Yen Sulmowski (Leuphana Universität Lüneburg) sowie aus Oldenburg Maxi Berger, Tomke Hinrichs, Christoph Haker, Nico Lüdke, Isabel Schnieder

Termin 1. Juli 2015, ab 19 Uhr: GET TOGETHER in der Caldero Bar, Am Markt 23, 26122 Oldenburg, Telefon: 0441-36137080
2. Juli, 10 – 18 Uhr: Workshop, Raum A03 1-109

Globale Mikrogeschichte. Chancen, Grenzen, Dimensionen

Kurzmitteilung

Veranstaltungsankündigung

„Was ist und was kann Globale Mikrogeschichte?“ lautet die zentrale Frage des international besetzten Workshops, zu dem die Veranstalter die derzeit renommiertesten VertreterInnen der mikrogeschichtlichen Forschung gewinnen konnten.
Die aktuelle Globalisierungsforschung generell sowie deren methodisch-theoretische Konzeptualisierung bezieht sich nahezu ausschließlich auf das 20. und 21. Jahrhundert und interessiert sich vor allem für die weltweite Vernetzung ökonomischer Aktivitäten und Konsumverhalten.
In der Frühneuzeitforschung dagegen werden seit einigen Jahren Fragen globaler Verflechtungsprozesse im Kontext einer neuen „Weltgeschichte“ und der Problematisierung eurozentrischer Perspektiven und Wissenschaftsdiskurse diskutiert. Diese Erweiterung der Untersuchungsräume im Rahmen einer Globalgeschichte hat in jüngster Zeit allerdings Kritik ausgelöst. So merkte der Historiker David Sebouh Aslanian an: “What happens to human identity, subjectivity, agency, and the like when we supersize scale in historical analysis“? (AHR Dec 2013). Hier setzt der Workshop an und diskutiert methodische und theoretische Herausforderungen einer mikrohistorischen Perspektivierung globaler Zusammenhänge. Dabei interessieren soziale Praktiken, grenzüberschreitende soziale Interaktionen und weltweite Beziehungsnetze, kontingente Handlungs(spiel)räume und globale Kommunikationspraktiken sowie vergangenes Krisenmanagement auf Grassroots Ebene.

Gäste:
Prof. Dr. Margaret Hunt (Universität Uppsala, Schweden)
Prof. Dr. Hans Medick (Universität Göttingen, Deutschland)
Prof. Dr. István M. Szijártó (Universität Budapest, Ungarn)

Wo? Graduiertenkolleg “Selbstbildungen”, Raum A03 1-109, Universität Oldenburg
Wann? 17.06.2015 – 18.06.2015

Weitere Infos und das Programm sind unter H/SOZ/KULT verfügbar oder auf der Homepage der CvO Universität als PDF herunterzuladen.
Weitere Infos zur Abteilung Frühe Neuzeit unter: Prizepapers.

Das Potential des Kontingenz-Begriffs für die wissenschaftliche Erkenntnis – Auslotungsversuche mit offenem Ergebnis

Der Begriff der Kontingenz hat in den Kulturwissenschaften Konjunktur. Beschäftigte sich in diesem Wintersemester innerhalb der Ringvorlesung des WiZeGG bereits der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke (Konstanz) kritisch mit Postulaten steigenden Kontingenzbewusstseins in der Moderne, so ging der kulturwissenschaftlich orientierte Musikwissenschaftler Frank Hentschel (Köln) der Frage nach Sinn und Unsinn des Begriffs der Kontingenz ganz konkret für die Versprachlichung von Musikgeschichte an.IMG_3452

Auch für die Historiographie von Musik bietet der Begriff Potenzial, vor allem wenn er nicht als Beliebigkeit, sondern als auf benennbaren Voraussetzungen aufbauend, aber Alternativen mit einschließend verstanden wird. Er besticht mit der genuin in ihm angelegten Bedeutungsoffenheit. Diese Bedeutungsoffenheit bietet sich für nach eingehender Forschungsarbeit immer schwierig griffig zu beschreibende historische Sachverhalte geradezu an: Kaum ein historisches Phänomen ist bei näherem Hinsehen tatsächlich eindeutig oder monokausal begründbar, keines einseitig, keines hat wirklich alternativlos zwingende Folgen – wenn ein historischer Tatbestand gesichert ist, dann das der Kontingenz. Aber bringt das die Wissenschaft tatsächlich weiter? Weiterlesen

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“:

Kurzmitteilung

Internationale Tagung des Helene-Lange-Kollegs „Queer Studies und Intermedialität: Kunst – Musik – Medienkultur“

Perverse Gefüge. Heteronormative Ordnungen inter/medial queeren
29.-31. Januar 2015, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Medien und mediale Dispositive mit ihren Wahrnehmungskonfigurationen und Rezeptionsräumen – vom Kino über die Kunstausstellung bis hin zum Punkkonzert – spielen sowohl für die Herstellung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Ordnungen als auch für deren Subversionen eine zentrale Rolle. Die Tagung Perverse Gefüge fragt danach, wie künstlerische und kulturelle Arbeiten es ermöglichen, die mediale Strukturiertheit von Realität zu reflektieren und damit zugleich andere Formen des Phantasierens und Imaginierens zur Diskussion zu stellen. Im Fokus stehen intermediale Effekte und die Potenziale dieser Arbeiten, heteronormative sowie rassistische und kapitalistische Ordnungen vor allem in Bezug auf Zeitlichkeit, Affekt, Kunst/Ästhetik und Kollektivität zu kritisieren und umzuarbeiten. Weiterlesen

Ernste Spiele in Dänemark – mit Foucault und Luhmann analysiert

IMG_7836Der Workshop mit Niels Akerstrom Anderson war ein intensives Arbeiten sowohl an den Begriffen, als auch an deren Anwendung. Zunächst hat Niels Akerstrom in das Material eingeführt: In Dänemark werden seit einigen Jahren Spiele – im Wortsinn – eingesetzt, um politisch zu einem gesunden Lebensstil anzuregen. Was in dem vorangegangenen Abendvortrag als Gegenwartsdiagnostik entworfen wurde, nämlich die Verwendung von Spielen als politischem Regulierungsinstrument in einer heterogenen Gegenwart, wurde auf diese Weise an einem konkreten Beispiel deutlich. Gesundheitsspiele werden über die Schulen und den Schulunterricht in den privaten Raum eingeführt. Sie bestehen etwa darin, Weiterlesen

Albrecht Koschorke, Hegel und wir

IMG_2811_Koschorke_WorkshopIm Workshop mit Albrecht Koschorke, Literaturwissenschaftler und Leibniz-Preisträger, war der Zusammenhang von Narrativen und Moderne-Konzepten das zentrale Thema. Anhand eines bisher unveröffentlichten Textes zu Hegels Geschichtsphilosophie diskutierten Mitglieder des Wizegg mit Albrecht Koschorke über Erzählformen, die nicht nur Hegels Entwurf der Geschichte bestimmen, sondern auch etwa als Fortschritts- oder Entwicklungsnarrativ die Selbstbeschreibung der westeuropäischen Moderne dominieren. Weiterlesen

Zweifache Grenzerfahrung

Hannig_IMG_2736Ein Workshop mit Nicolai Hannig von der LMU München über den Umgang mit Naturgefahren im 19. und 20. Jahrhundert war eine zweifache Grenzerfahrung: Einerseits ging es in unserer Diskussion um Grenzen zwischen Natur und Zivilisation, zwischen Ausnahmzustand und Normalität und zwischen Staat und Staatsbürger, die im Umgang mit Naturgefahren verhandelt wurden. Die Vorbeugung vor Lawinen, Überflutungen, Stürmen war also mehr als eine Präventions- oder Versicherungsmaßnahme. Sie gab den Menschen seit dem 18. Jahrhundert darüber hinaus immer wieder Anlass, gesellschaftliche Sicherheiten und gesellschaftliche Risiken zu bestimmen und zu verändern. Weiterlesen