Klassismus in der Trump-Ära. Die Vergessenen bleiben auch nach der Wahl vergessen – warum eigentlich?

Man hat es kommen sehen – im Nachhinein. Ex-post sind Analysen immer einfacher. Der Tenor der amerikanischen Medien nach Trumps Wahlsieg: „The nation is divided.“ Eigentlich Anlass, nach den Demarkations- und Konfliktlinien dieser Spaltung zu fahnden und nach Vereinigungsmöglichkeiten zu suchen. Stattdessen erging man sich recht schnell in ritueller Selbstkasteiung und der Identifikation von „bubbles“, in denen man sich, hauptsächlich aber die anderen, gefangen wähnt.

In Woche eins nach Trump war die Spaltung auch schon wieder aus den Narrativen verschwunden. Völker aller Länder, vereinigt euch, gegen Trump! Das ist jetzt das Motto. Einheitliche Fronten gegen Trump national wie international. Der „Women’s March“ ein kolossaler Erfolg in der Demonstration von Einheit. Wenn man davon absieht, dass die Diskussion um die Inklusion bzw. Exklusion von Pro-Life-Organisationen als Partnerorganisationen des Protests eine gewisse Ungeschlossenheit und Ausgrenzungstendenzen offenlegte. Eine interessante Differenzierung auch bei der Berichterstattung über die Inauguration. Im Mittelpunkt des Interesses, weiße Flächen und ungewisse aber auf jeden Fall geringere Zuschauerzahlen als bei Barack Obamas Vereidigung. Dass auf der Grünfläche aber trotzdem Menschen standen, und zwar in einer Anzahl, die als Menge qualifiziert, ging im Zahlenstreit zwischen Pressesprecher Sean Spicer und den Medien unter. Eine ähnliche Ausklammerung erfahren Trump-Unterstützer auch bei der Analyse der Zustimmungswerte des neuen Präsidenten. Trump hat die niedrigste Zustimmung in der Bevölkerung, die ein Präsident je hatte. Irgendwo zwischen 40 und 45 Prozent. Also nicht mal 50 Prozent der AmerikanerInnen. Aber eben doch fast 50 Prozent der AmerikannerInnen. Die Spaltung ist immer noch da, man benennt sie aber nur, thematisiert sie nicht weiter oder fixiert nur eine Seite. Besonders eklatant zeigt sich das in den Unterhaltungsmedien. Weiterlesen